Wie Neurodermitis mit deiner Darmgesundheit zusammenhängt
Neurodermitis ist nach aktuellen Forschungen jedoch keine reine Hauterkrankung, sondern kann in Zusammenhang mit dem Darm stehen. Für Betroffene kann es hilfreich sein, diese Zusammenhänge zu kennen. So bekommst du einen Überblick, welche allgemeinen Alltagsfaktoren diskutiert werden und welche Beobachtungen im Alltag eine Rolle spielen können.
1. Was ist Neurodermitis?
Neurodermitis ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die nicht ansteckend ist. Typische Symptome sind Juckreiz, schuppige Haut und Rötungen. Aber auch Entzündungen und Ekzeme sowie Verdickungen der Haut zeigen sich. Die Symptome treten in der Regel in Schüben auf. Meist wird die Erkrankung auf der Kopfhaut, im Gesicht, in den Ellen- und Kniebeugen sowie auf den Händen und an den Handgelenken sichtbar.
Gesunde Haut weist eine Barrierefunktion auf, die bei Neurodermitis jedoch gestört ist. Ein Defizit spezieller Eiweiße führt dazu, dass die äußerste Hautschicht nicht ordnungsgemäß aufgebaut wird. Die sogenannte Hornschicht wird nicht richtig aufgebaut und neigt zur Austrocknung. Die Haut reagiert dadurch viel schneller auf Umwelteinflüsse als gesunde Haut und zeigt das durch Juckreiz und Entzündungen.
Die Ursache von Neurodermitis ist bis heute nicht vollständig erforscht. Als Hauptursache der atopischen Erkrankung wird Vererbung genannt. Hatten deine Eltern also bereits Neurodermitis, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass du auch betroffen bist. Wenn beide Elternteile Neurodermitis haben, steigt die Wahrscheinlichkeit der Vererbung von Neurodermitis. Eine Therapie, die Neurodermitis heilt, gibt es nicht. Ärztliche Behandlung und passende Verhaltensweisen können jedoch dabei helfen, den Alltag mit der Erkrankung besser zu gestalten.
2. Welche Faktoren begünstigen Neurodermitis?
Experten gehen davon aus, dass unterschiedliche Faktoren einen Ausbruch von Neurodermitis begünstigen. So können bestimmte Textilien, beispielsweise Wolle, klimatische Bedingungen und Umweltgifte Beschwerden hervorrufen. Aber auch psychische Belastungen und bestimmte Lebensmittel stehen im Verdacht, Schübe auszulösen. Weitere Faktoren sind Allergene wie Pollen oder Hausstaubmilben.
Viele Kinder leiden in ihrer Jugend und im Erwachsenenalter nicht mehr an Neurodermitis. Dennoch kann eine Erkrankung im Kindheitsalter später mit weiteren Empfindlichkeiten im Alltag einhergehen.
Immer wieder werden auch übermäßige Hygienemaßnahmen als Ursache für Neurodermitis debattiert. Grund dafür ist die Zunahme von Neurodermitis-Erkrankungen in der westlichen Welt, insbesondere in Großstädten. Verstärkte Hygienemaßnahmen und weniger Kontakt zu Keimen, Tieren und Natur werden laut der sogenannten Hygiene-Hypothese für diese Entwicklung verantwortlich gemacht. Nach dieser Theorie fehlt dem Immunsystem die Aufgabe der Keimabwehr, wodurch es bereits auf harmlose Einflüsse abwehrend reagiert.
3. Was sollte ich bei Neurodermitis essen?
Bestimmte Nahrungsmittel begünstigen zwar Neurodermitis-Schübe, aber eine allgemeine Aussage, welche Lebensmittel du essen solltest und welche nicht, lässt sich nicht treffen. Wichtig ist, dass du dich und deinen Körper gut beobachtest. Stellst du fest, dass sich Beschwerden nach der Aufnahme bestimmter Nahrungsmittel verändern? Dann führe am besten ein Ernährungstagebuch, in dem du deine Ernährung und auftretende Reaktionen dokumentierst. Diese Beobachtungen helfen deinem Arzt, die Situation besser einzuordnen.
Nichtsdestotrotz gibt es eine ganze Reihe an Lebensmitteln, die von Personen mit Neurodermitis besonders häufig nicht vertragen werden:
- Kuhmilch und Milchprodukte wie Joghurt, Käse und Butter
- Weizen
- Nüsse und Erdnüsse
- Schweinefleisch und Fisch
- Obst wie Pfirsiche, Bananen und bestimmte Apfelsorten
- Gemüse wie Tomaten, Möhren und Paprika
- Sojabohnen und Sojaprotein
- Eier
- Zitrusfrüchte
Ob ein Nahrungsmittel bei dir eine Rolle spielt, kannst du am besten gemeinsam mit medizinischem Fachpersonal abklären. Einzelne Lebensmittel sollten nicht vorschnell und ohne Rücksprache dauerhaft vom Speiseplan gestrichen werden.
Neben auslösenden Lebensmitteln gibt es auch eine Palette an Nahrungsmitteln, die viele Neurodermitis-Patienten gut vertragen:
- Gemüse wie Brokkoli, Gurke, Mais und Spinat
- Reis
- Brot aus Dinkel oder Hafer
- Obst wie Mango und Heidelbeeren
- Saaten und Kerne wie Sonnenblumenkerne und Mandeln
Prinzipiell solltest du dich ausgewogen, gesund und abwechslungsreich ernähren. Im Alltag ist vor allem wichtig, individuelle Auslöser möglichst gut zu kennen und ärztlich einordnen zu lassen.
4. Welche Nährstoffe helfen mir bei Neurodermitis?
Eine ausgewogene Ernährung spielt für den allgemeinen Gesundheitszustand eine wichtige Rolle. Generell solltest du auf eine vielseitige Versorgung achten. Bist du dir nicht sicher, wie dein Nährstoffhaushalt aussieht, kannst du beim Arzt ein Blutbild anfertigen lassen.
Auch Vitamin D, Vitamin C, Calcium, Zink, Vitamin B und Magnesium werden im Zusammenhang mit Ernährung immer wieder genannt. Für den Alltag gilt vor allem: Eine abwechslungsreiche Ernährung liefert viele dieser Stoffe bereits über verschiedene Lebensmittel.
Vitamin D kommt unter anderem im Zusammenhang mit Sonnenlicht sowie mit Lebensmitteln wie Pfifferlingen, Süßkartoffeln und fetthaltigem Fisch zur Sprache. Ob du Fisch gut verträgst, solltest du individuell abwägen.
Deine Haut kann in Deutschland allerdings nicht das ganze Jahr über körpereigenes Vitamin D bilden. Gründe sind vor allem die geringe Sonneneinstrahlung in den Wintermonaten sowie der Einfallwinkel, der Sonne, falls sie im Winter denn mal scheint. Ob ein Vitamin-D-Mangel vorliegt, sollte ärztlich abgeklärt werden.
Vitamin C steckt beispielsweise in Brokkoli, Hagebutten, Spinat und Meerrettich.
Auch Calcium ist in verschiedenen Lebensmitteln enthalten. Gute Quellen sind beispielsweise Sesam, Mohn, Spinat und Grünkohl.
Zink findest du unter anderem in Kürbiskernen, Haferflocken und Quinoa.
Vitamin B steckt beispielsweise in Kohl, Pilzen, Brokkoli sowie in Vollkorngetreide und Hülsenfrüchten.
Für eine gute Magnesium-Versorgung tragen viel Gemüse, Pseudogetreide und Kerne bei.
5. Wie hängt die Hauterkrankung mit dem Darm zusammen?
Neurodermitis, die in der Fachsprache als atopisches Ekzem oder atopische Dermatitis bezeichnet wird, steht nach aktuellen Erkenntnissen in Zusammenhang mit dem Darm. Das Zusammenspiel von Darm und Immunsystem wird dabei intensiv erforscht. Es wird davon ausgegangen, dass Veränderungen im Darmmilieu eine Rolle spielen könnten. Zu dieser Thematik wird aktuell noch geforscht.
Während eines Schubs werden auch Veränderungen im Verdauungssystem diskutiert. Dabei geht es unter anderem um die Frage, ob die Darmschleimhaut zeitweise anders reagiert als im gesunden Zustand. Welche Rolle dabei Fremdstoffe, Immunreaktionen und Hautveränderungen spielen, ist noch nicht abschließend geklärt.
Weiterhin wird untersucht, welche Bedeutung die Zusammensetzung der Darmbakterien für das Immunsystem haben könnte. Fest steht bisher vor allem: Der Zusammenhang zwischen Darm und Haut ist Gegenstand aktueller Forschung und lässt sich nicht mit einfachen Ursache-Wirkung-Aussagen erklären.
6. Welche allgemeinen Alltagsmaßnahmen oft empfohlen werden
Um den Alltag mit Neurodermitis möglichst gut zu gestalten, solltest du dich gesund ernähren und individuelle Auslöser im Blick behalten. Finde heraus, welche Faktoren und Lebensmittel Schübe begünstigen und meide diese, wenn möglich. Zusätzlich wird häufig empfohlen, auf eine abwechslungsreiche Ernährung mit fermentierten Lebensmitteln wie Sauerkraut zu achten.
Achte außerdem auf eine sanfte Hautpflege deiner empfindlichen Haut und versorge sie mit ausreichend Feuchtigkeit. Probiere auch hier aus, was du gut verträgst und was eher problematisch ist. Versuche, nicht zu rauchen und setze dich, wenn möglich, keinem Tabakrauch aus. Denn auch Tabakrauch steht im Verdacht, Neurodermitis zu verschlimmern. Meide, wann immer es geht, psychischen Stress. Vielleicht helfen dir spezielle Entspannungsübungen wie Yoga oder Meditation. Darüber hinaus gibt es einige Herausforderungen im Berufsleben, die du besser meiden solltest. Dazu zählt der Umgang mit Säuren und aggressiven Reinigungsmitteln ebenso wie die Arbeit unter Temperaturextremen.
Fazit
Neurodermitis ist mit Symptomen wie Juckreiz, Ekzemen und trockener Haut eine unangenehme Erkrankung, für die es bislang keine allgemeingültige Therapie gibt. Dennoch ist es für viele Betroffene hilfreich, Auslöser im Alltag besser kennenzulernen und die ärztliche Behandlung gut zu begleiten.
Wichtig ist, dass du Risikofaktoren herausfindest und nach Möglichkeit meidest. Das können bestimmte Lebensmittel, aber auch Umwelteinflüsse und psychische Faktoren sein.
Neurodermitis steht nach aktuellen Erkenntnissen im Verdacht, mit der Darmgesundheit in Zusammenhang zu stehen. Achte deswegen auch auf eine gesunde Darmflora und eine ausgewogene Ernährung. Gerade der mögliche Zusammenhang zwischen Darm und Haut wird derzeit weiter erforscht.