Morbus Crohn: Symptome, Ursachen und Behandlung
Hier erfährst du, wie Morbus Crohn entsteht, welche Symptome typisch sind und welche Aspekte bei Diagnose, Behandlung und Ernährung eine Rolle spielen.
1. Was ist Morbus Crohn?
Morbus Crohn (enteritis regionalis) ist eine chronisch entzündliche Darmerkrankung. Benannt ist die Krankheit nach ihrem Entdecker Burrill Bernard Crohn.
In den meisten Fällen tritt die Entzündung im oberen Abschnitt des Dickdarms oder am Ende des Dünndarms auf, kann sich jedoch auch auf den gesamten Bereich des Verdauungstraktes ausbreiten. Häufig sind sowohl die Darmschleimhaut als auch tiefe Schichten der Darmwand von der Entzündung betroffen.
Typisch für Morbus Crohn ist, dass die Krankheit in Schüben auftritt. Dabei wechseln sich Phasen mit heftigen Symptomen und beschwerdefreie Phasen ab. Die Schübe können zwischen einigen Tagen bis zu mehreren Wochen anhalten und die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränken.
2. Symptome bei Morbus Crohn
Der Verlauf von Morbus Crohn und die dabei auftretenden Symptome können sich von Patient zu Patient sehr unterschiedlich gestalten. So ist es beispielsweise auch möglich, dass die Erkrankung jahrelang unentdeckt bleibt und der Patient daher keine oder nur sehr geringe Symptome hat.
Die häufigsten Symptome bei Morbus Crohn sind jedoch folgende:
Bauchschmerzen als Symptom bei Morbus Crohn
Morbus Crohn verursacht bei vielen Patienten krampfartige Bauchschmerzen im unteren rechten Bauch. Das ist auch die Ursache dafür, dass die chronische Darmentzündung manchmal auch mit einer Blinddarmentzündung verwechselt wird.
Weicher Stuhlgang als Symptom bei Morbus Crohn
Auch weicher Stuhlgang bis hin zu Durchfall kann ein Symptom von Morbus Crohn sein. Während eines Schubs können diese mehrmals pro Tag auftreten.
Gewichtsverlust als Symptom bei Morbus Crohn
Morbus Crohn führt bei vielen Patienten dazu, dass diese weniger essen und somit auch Gewicht verlieren. Das hat auch mit den Schmerzen zu tun, welche bei der Nahrungsaufnahme auftreten können. Die Durchfälle können zusätzlich dazu beitragen.
Abgeschlagenheit und Müdigkeit als Symptome bei Morbus Crohn
Der Körper reagiert bei Morbus Crohn auf entzündliche Prozesse, was mit einem erhöhten Energiebedarf einhergehen kann. Das kann bei den Betroffenen zu Abgeschlagenheit und Müdigkeit führen. Auch ein generelles Krankheitsgefühl ist möglich.
Ängste und Depressionen als Symptome bei Morbus Crohn
Morbus Crohn ist häufig mit Angst- und Depressionssymptomen verbunden. Forscher zeigten dies an einer Untersuchung von über 30.000 Patienten. Ein Viertel davon war von Depressionen und bis zu ein Drittel von Symptomen einer Angststörung betroffen. Bei Betroffenen in einem akuten Krankheitsschub nahmen die Ängste und Depressionen sogar noch zu.
Der Grund für die hohe Prävalenz könnte in der sogenannten Bauch-Hirn-Achse liegen. Unser Gehirn ist mit dem Darm über bestimmte Nerven vernetzt. Dadurch können sich Probleme im Darm auch auf die psychische Gesundheit auswirken.
3. Ursachen für die Entstehung von Morbus Crohn
Die genauen Ursachen für die Entstehung von Morbus Crohn sind bislang noch nicht abschließend geklärt. Wissenschaftliche Untersuchungen vermuten aber, dass insbesondere unsere Genetik, das Immun- und Nervensystem sowie unser Lebensstil ausschlaggebend sind.
Morbus Crohn Ursache 1: Genetische Veranlagungen
Wie bei so vielen Krankheiten spielt auch bei Morbus Crohn die Genetik anscheinend eine wichtige Rolle. Das lässt zumindest die Beobachtung vermuten, dass zahlreiche Morbus Crohn Patienten Mutationen des Gens NOD2 haben. Dieses ist wichtig für körpereigene Abwehrprozesse und könnte daher mit der Entstehung der entzündlichen Darmerkrankung in Verbindung stehen.
Morbus Crohn scheint zudem auch vererbbar zu sein. Studien zeigen, dass entzündliche Darmerkrankungen oft gehäuft innerhalb von Familien auftreten.
Morbus Crohn Ursache 2: Übertriebene Autoimmunreaktion
Im Verdacht der Wissenschaft steht auch, dass eine übermäßige Reaktion unseres Immunsystems für die Entstehung von Morbus Crohn verantwortlich sein könnte. Dabei greifen unsere Abwehrzellen gesundes Gewebe an, was in den betroffenen Regionen zu Entzündungen führt.
Morbus Crohn Ursache 3: Lebensweise
Auch der Lebensstil soll bei Morbus Crohn eine Rolle spielen. Untersuchungen zeigen, dass Rauchen ein wichtiger Umweltfaktor bei chronisch entzündlichen Darmkrankheiten ist.
Auch wenn Morbus Crohn nicht als psychosomatische Erkrankung gilt, können psychische Störungen sowie Stress einen negativen Einfluss auf den Krankheitsverlauf und die Lebensqualität haben.
Darüber hinaus gehört die Ernährung zu den wesentlichen Risikofaktoren für die Entstehung von Darmerkrankungen. In einer Studie zeigte sich, dass eine proinflammatorische Ernährungsweise das Risiko für Morbus Crohn um bis zu 51 % erhöhte. Zu den Lebensmitteln, die Entzündungen im Körper fördern können, zählen vor allem industriell stark verarbeitete Produkte, raffinierter Zucker, Weizenmehl, Alkohol und Fleischprodukte.
Morbus Crohn Ursache 4: Darm-Nervensystem
Einige Untersuchungen lassen vermuten, dass die Entstehung von Morbus Crohn mit sogenannten Botenstoffen zu tun hat, die vom Nervensystem des Darms ausgestoßen werden. Einige Nerven schütten Signalstoffe aus, die wiederum andere Botenstoffe beeinflussen können. Welche Rolle diese Zusammenhänge genau spielen, wird weiter erforscht.
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Jetzt lesen4. Gesundheitliche Folgen von Morbus Crohn
Morbus Crohn ist durch schubweise auftretende, starke Symptome gekennzeichnet. Aber auch langfristig kann die Darmkrankheit schwerwiegende Folgen mit sich bringen:
Mangel an Nährstoffen durch Morbus Crohn
Auf Dauer kann Morbus Crohn zu einem Nährstoffmangel führen. Aufgrund der Entzündung unterschiedlicher Bereiche des Darms kann dieser nur eine verminderte Menge an Nährstoffen absorbieren. Zudem gehen durch häufige Durchfälle und Erbrechen Nährstoffe verloren. Besonders häufig liegt bei Patienten mit Morbus Crohn eine Unterversorgung mit Eisen, Calcium, Kalium, Magnesium, Folsäure, Zink, Vitamin D sowie Vitamin B12 vor.
Ausbreitung der Entzündungen durch Morbus Crohn
Patienten mit vermehrten Entzündungen im Körper neigen oftmals dazu, dass diese auch auf andere Bereiche übergreifen. Mögliche Beschwerden, die außerhalb des Darms auftreten, sind:
- Entzündungen der Gelenke, z.B. an Knien, Hüfte, Händen oder Schultern
- Entzündungen der Haut, z.B. Aphten oder Geschwüre
- Entzündungen der Augen, z.B. am Bindegewebe oder an der Iris
- Entzündungen der Leber
Abszesse und Fisteln durch Morbus Crohn
Abszesse sind abgekapselte Ansammlungen von Eiter und können bei Morbus Crohn vermehrt vorkommen. Werden diese nicht ausreichend behandelt, dann können Fisteln die Folge sein. Fisteln stellen wiederum Verbindungsgänge zwischen Organen dar und können vom Darm in die Bauchhöhle oder auch nach außen hin auftreten. Insbesondere im Analbereich stellen Fisteln oftmals erste Anzeichen für Morbus Crohn dar.
Stenose und Darmverschluss durch Morbus Crohn
Durch die Entzündungen in der Darmwand können sich Schwellungen und Narben bilden. Diese können zu einer Verengung des Darmkanals (Stenose) und im schlimmsten Fall zu einem vollständigen Verschluss des Darms führen. Sowohl Stenose als auch Darmverschluss müssen schnellstmöglich operativ behandelt werden.
Darmkrebs durch Morbus Crohn
Bei Morbus Crohn ist das Risiko für die Entstehung von Karzinomen im Dünndarm und im Dickdarm erhöht.
5. Diagnose von Morbus Crohn
Zur Diagnose entzündlicher Darmerkrankungen werden verschiedene Methoden eingesetzt. Zunächst wird der Bauch auf Druckschmerzen und Widerstände abgetastet, die von der Entzündung hervorgerufen werden.
Außerdem lässt sich anhand einer Stuhlprobe der Entzündungswert Calprotectin sowie im Blut der Entzündungsmarker C-reaktives Protein ermitteln. Ein möglicher Mangel an Nährstoffen kann durch ein großes Blutbild festgestellt werden.
Zur weiteren Diagnose eines Morbus Crohn können eine Darmspiegelung, ein Ultraschall, eine Magenspiegelung oder ein MRT erforderlich sein.
Das sagt der Calprotectin-Wert aus. Bei Calprotectin handelt es sich um einen Eiweißstoff, der unter anderem in bestimmten weißen Blutkörperchen vorkommt, wie Granulozyten. Sind die Calprotectin-Werte erhöht, ist das ein Hinweis für Entzündungen im Bereich des Darmtraktes. Er kann zur Diagnose von Morbus Crohn sowie Colitis ulcerosa herangezogen werden. Beides sind chronisch entzündliche Darmerkrankungen.
6. Behandlung von Morbus Crohn
Für Morbus Crohn gibt es bis heute bisher keine gesicherten Heilungschancen. Betroffene können jedoch die Entzündungen sowie Symptome behandeln. Dadurch können unangenehme Beschwerden und die Anzahl von Schüben minimiert werden. Je nach Schweregrad der Erkrankung können unterschiedliche Ansätze zur Behandlung angewendet werden.
Medikamentöse Behandlung bei Morbus Crohn
Sowohl die Entzündungen als auch die Immunreaktionen bei Morbus Crohn können durch Medikamente beeinflusst werden:
- Kortikosteroide (Kortison): wirken gegen Entzündungen und können die Reaktion des Immunsystems unterdrücken.
- TNF-Antikörper: binden den entzündungsfördernden Botenstoff (Tumornekrosefaktor-α), der für die Entstehung von Morbus Crohn von Bedeutung ist.
- Immunsuppressiva: unterbinden die übermäßige Reaktion des Immunsystems.
Einige Medikamente, die bei Morbus Crohn eingesetzt werden, führen leider zu Nebenwirkungen und sind daher nicht für eine Langzeittherapie geeignet.
Operative Behandlung bei Morbus Crohn
Bei besonders schweren Fällen eines Morbus Crohn ist ein chirurgischer Eingriff notwendig. Insbesondere bei Komplikationen, wie Fisteln, Stenosen oder einem Darmverschluss werden häufig die betroffenen Abschnitte des Darms entfernt. Die Folge hierbei ist jedoch, dass auf Dauer immer weniger lebenswichtige Nährstoffe im Darm aufgenommen werden können.
Psychologische Behandlung bei Morbus Crohn
Betroffene leiden häufig stark unter den Beschwerden ihres Morbus Crohn und werden in ihrer Lebensqualität enorm eingeschränkt. Sowohl die ständigen Durchfälle als auch die Schmerzen können sehr belastend sein. Eine psychologische Betreuung kann Patienten dabei helfen, positive Strategien im Umgang mit der Erkrankung zu entwickeln.
7. Ernährungsaspekte bei Morbus Crohn
Ein wichtiger Bereich bei Morbus Crohn ist die Ernährungsweise. Welche Lebensmittel gut vertragen werden, kann individuell unterschiedlich sein und sollte an den jeweiligen Krankheitsverlauf angepasst werden.
Die Auswahl der Lebensmittel sollte an die jeweilige Phase des Krankheitsverlaufes angepasst werden:
Ernährung in der Akutphase eines Morbus Crohn
Die Akutphase ist bei Morbus Crohn durch Schmerzen, Durchfälle und Erbrechen gekennzeichnet und kann mehrere Wochen andauern. Während eines Schubes wird häufig eine gut verträgliche, eher schonende Ernährung empfohlen. Dazu kann - je nach individueller Situation - auch eine vorübergehend ballaststoffärmere Kost gehören. Stattdessen werden oft leichte Speisen wie Gemüsesuppen gewählt.
Für besonders schwere Krankheitsformen können auch Formula-Nahrungen verordnet werden, die als flüssiger Mahlzeitenersatz leicht verträglich sind und wichtige Nährstoffe enthalten.
Ernährung in der Ruhephase eines Morbus Crohn
In beschwerdeärmeren Phasen steht meist eine ausgewogene und individuell verträgliche Ernährung im Vordergrund. Hier kann eine leichte Vollkost mit entzündungshemmenden Lebensmitteln eine Rolle spielen. Achte hierbei darauf, dich nach einer Akutphase erst wieder langsam an andere Lebensmittel heranzutasten.
Wir zeigen dir, wie du eine entzündungshemmende und antientzündliche Ernährung ganz einfach umsetzen kannst – mit antientzündlichen Leben...
Jetzt lesenBesonders geeignet sind:
- Ballaststoffe (z.B. Haferflocken, Flohsamenschalen, Vollkornprodukte, Gemüse, Obst, Kartoffeln): können je nach individueller Verträglichkeit Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung sein.
- Obst und Gemüse: liefern verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe und Vitamine.
- Eiweiß (z.B. in Fisch, Hülsenfrüchten oder Eiweiß-Shakes): ist ein wichtiger Bestandteil der Ernährung.
- Gewürze und Kräuter (z.B. Kurkuma und Ingwer): werden häufig im Rahmen einer abwechslungsreichen Ernährung verwendet.
- Probiotika (z.B. Joghurt, Kombucha, Kefir, Milchsäurebakterien): enthalten natürliche Bakterienstämme.
Entzündungsfördernde Lebensmittel bei Morbus Crohn
Einige Nahrungsmittel werden im Zusammenhang mit entzündlichen Prozessen diskutiert und können auch bei Morbus Crohn individuell eine Rolle spielen. Daher kann es sinnvoll sein, die eigene Verträglichkeit aufmerksam zu beobachten:
- Industriell verarbeitete Produkte
- Zusatzstoffe (z.B. Emulgatoren, Geschmacksverstärker, künstliche Aromen und Süßstoffe)
- Raffinierter Zucker
- Weizenmehl
- Alkohol
- Kaffee
Zudem können stark blähendes Gemüse wie beispielsweise Kohl, rohes Gemüse oder kohlensäurehaltige Getränke die Beschwerden im Magen-Darm-Trakt verstärken. Auch zu heiße, sehr kalte oder stark gewürzte Speisen können Symptome hervorrufen.
Die richtigen Nährstoffe bei Morbus Crohn
Bei Morbus Crohn werden durch Durchfälle, Erbrechen sowie Schädigungen der Darmschleimhaut häufig zu wenig Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente aufgenommen. Um einem Nährstoffmangel entgegenzuwirken, sollte daher auf eine gezielte Zusammensetzung der Nahrung geachtet werden.
Weitere Ernährungstipps für Morbus Crohn-Patienten
Um den Verdauungstrakt im Alltag möglichst wenig zu belasten, versuche dich neben deiner Lebensmittelauswahl auch an folgende Tipps zu halten:
- Um deinen Darm nicht zu überfordern, iss über den Tag verteilt lieber 5-6 kleine Mahlzeiten als 3 große.
- Nimm dir ausreichend Zeit beim Essen und kaue deine Speisen möglichst lange.
- Beachte eventuelle Unverträglichkeiten gegen Gluten, Fruktose oder Laktose. Vermeide konsequent die Nahrungsmittel, die für dich weniger gut verträglich sind.
8. Fazit zum Thema Morbus Crohn
Morbus Crohn ist eine entzündliche Darmerkrankung, die bei jedem Patienten unterschiedlich verlaufen kann. Für einige Betroffene kann das Leben mit Morbus Crohn eine große Belastung darstellen.
Leider ist die Krankheit bis heute nicht vollständig heilbar. Medikamente, ärztliche Begleitung und eine individuell angepasste Lebensweise spielen jedoch eine wichtige Rolle im Umgang mit der Erkrankung.
Auch die Ernährung verdient Aufmerksamkeit. Im Vordergrund stehen eine individuell verträgliche Lebensmittelauswahl sowie die ausreichende Versorgung mit Energie und Nährstoffen.